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Heiße Schokolade - Kultur eines  magischen Luxusgetränks


 

Heiße Schokolade - ein magischer Genuss
Eine Tasse Heiße Schokolade ist ein sinnliches Vergnügen: sie wärmt Körper und Seele, setzt Glückshormone frei, sorgt für Behaglichkeit, regt an und entspannt gleichermaßen. Heiße Schokolade - ein aromatisches Getränk, das bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen bliebt ist. Es hebt die Stimmung und weckt wohlige Erinnerungen an die eigene Kindheit. Der Genuss hilft depressive Stimmungen zu vertreiben und soll sogar aphrodisierende Wirkung haben.

Kaum ein anderes Getränk strömt eine derartige Magie aus, wie der Trank aus der kleinen Kakaobohne, der einst den Göttern gewidmet war. Ein Getränk mit Jahrtausende alter Tradition, deren Wurzeln im alten Amerika liegen.

Theobroma - Trank der Götter

Die Spurensuche nach den Wurzeln der Trinkschokolade ist eine Spurensuche nach dem Kakao und beginnt in den fruchtbaren Tiefebenen Mittelamerikas am Golf von Mexiko.

Olmeken

Dort belegen Funde von Tonscherben, dass bereits vor 3000 Jahren die Olmeken, eine der ältesten Kulturen Mesoamerikas, ein Getränk aus der Frucht der Kakaopflanze genossen haben. Genaueres über die Zubereitung ist nicht bekannt. Da die Form der gefundenen Gefäße jedoch an Gärballons erinnert, wird vermutet, dass es sich um ein vergorenes und damit auch alkoholhaltiges Getränk aus der ganzen Kakaofrucht gehandelt hat. Fest steht, dass auch der Name "Cacao" hier seinen Ursprung hat. Auch wenn die Kakaopflanze selbst wahrscheinlich aus dem Süden Amerikas stammt, so können die Olmeken wohl als die kulinarischen Entdecker des Kakao gelten. 

 

Maya

Trinkgefäß der Maya(1) ©

Zu Beginn des 4. Jahrhunderts wurde die Hochkultur der Olmeken durch die der Mayas abgelöst. Diese siedelten ebenfalls im feucht-warmen Gebiet der Yucatan-Halbinsel, einem Klima, in dem die Kakaopflanzen gut gedeihen. Sie kultivierten die Zubereitung des Geränkes weiter. Verwendet wurden die gerösteten Bohnen, die mit Wasser und verschiedenen Gewürzen, darunter auch Chili, gemischt wurden.

Besonderen Wert wurde offenbar auf die Erzeugung von Schaum gelegt. So zeigen Darstellungen der Kakaozubereitung, dass die Flüssigkeit aus großer Höhe von einem Gefäß in ein anderes gegossen wurde. Eine Methode, die aus dem gleichen Grund übrigens auch heute noch in Malaysia bei der Zubereitung des Teh Tarik, des "gezogenen Tees",  verwendet wird. Bereits damals galt "Chocolatl", wie es von den Maya genannt wurde, als Luxusgetränk, dessen Genuss nur dem Adel vorbehalten war.  Der besondere Wert, den die Kakaobohne für die Maya hatte, zeigt sich auch darin, dass sie - neben Jade - als Zahlungsmittel verwendet wurde.

Auf die Maya geht auch eine Zubereitungsform zurück, die noch heute in Mexiko gepflegt wird: Die Kombination von Kakao und Mais, als dem wichtigesten Grundnahrungsmittel Mesoamerikas, zu einem sehr nahrhaften und gleichzeitig anregenden Trunk.

 

Azteken

Etwa 1200 n. Chr. entwickelte sich die Kultur der Azteken. Diese siedelten weiter nordwestlich in einem Gebiet mit trocken-heißem Klima, dass ihnen keinen eigenen Anbau von Kakaopflanzen erlaubte. Dennoch schätzten sie ihre Bohnen sehr. Sie "besorgten" sich die begehrte Ware über Tributzahlungen und regen Handel, später wurden sogar Kriege im Namen der Bohne geführt, um die Versorgung sicher zu stellen.

Ebenso wie bei den Maya war Schokolade ein Getränk, das nur den Wohlhabenden zur Verfügung stand. Es wurde auch bei relgiösen Feierlichkeiten und Initiationsritualen eingesetzt. Im Gegensatz zu den Maya, die ihre Schokolade heiß genossen, bevorzugten die Azteken jedoch die kalte Zubereitung. Neben Gewürzen, wie Chili, Vanille, Piment oder den färbenden Anatosamen wurden auch  getrocknete Blüten zugefügt, um das Getränk zu aromatisieren.

 

Die Eroberer

Kolumbus war es, der im Rahmen seiner Entdeckungsreisen 1502 als erster Europäer mit Kakaobohnen in Kontakt kam. Allerdings wusste er mit den Bohnen, die den handelnden Mayas offenbar so wichtig waren, nicht viel anzufangen. Erst mit der Eroberung Mexikos durch die Spanier wurde diesen der Stellenwert, den die Kakaobohnen für die Einheimischen hatten, bewusst. Dies galt sowohl für das Genussmittel selbst, wie für ihre Bedeutung als Zahlungsmittel. Letzteres nahmen die Spanier sofort begeistert an und berücksichtigten es später bei der späteren Einführung des Real (Peso) als Währung. Kakaobohnen sollten noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts als Währung erhalten bleiben.

Weniger begeistern konnten sich die Eroberer anfänglich für das sehr bittere, leicht säuerliche Getränk, das sie zunächst als Schweinefraß bezeichneten. Erst nach und nach konnten sie sich für die Schokolade erwärmen, was in diesem Fall durchaus wörtlich gemeint ist, denn es wurde eher die warme Variante der Maya, als die kalte Form bevorzugt, in der die Azteken Schokolade genossen. Den entscheidenden Durchbruch brachte jedoch eine Anpassung der Rezeptur an ganz anderer Stelle: Die Zugabe von Zucker. Dieser war in Europa sehr beliebt und verlieh der Schokolade jene herbe Süße, die wir auch heute noch an ihr schätzen. Mit dieser Rezeptur schaffte der Kakao den Sprung ins alte Europa.

Aus dem Trank der Götter, wie der botanische Name des Kakao, Theoboma, übersetzt heisst, wurde der Trank der Könige...

 


 

 

(1) © Trinkgefäß der Maya, mit freundlicher Genehmigung  Schokoladenmuseum Köln

Heiße Schokolade


Teil 1:
Theobroma - Trank der Götter /
Historische Rezepte

Teil 2:
Trank der Könige - Schokolade im alten Europa /
Schokolade und Gesundheit

Teil 3:
Internationale Trinkkultur / Glossar /
Moderne Rezepte

Teil 4:
Von der russischen Schokolade, die keine ist / Prominente Schokolade


 

Historische Rezepte

Es gibt einige überlieferte Rezepte aus den Anfängen der Schokoladenkultur. Die Rezepturen zeigen, dass gewürzte Schokolade keineswegs eine neumodische Erfindung ist. Wer sich einmal auf die kulinarische Spurensuche begeben und das ein oder andere Rezept ausprobieren möchte: Verwenden Sie, wenn keine gerösteten Kakaobohnen vorhanden sind, Schokolade mit möglichst hohem Kakaoanteil. Basis der folgenden Rezepte ist immer Wasser, keine Milch. Auch wir die Schokolade immer schaumig aufgeschlagen serviert.


Francisco Hernandez (von den Maya / Azteken überliefert, 16. Jhd.)

  • 50 % geröstete Kakaobohnen
  • 50 % Sapotille-Kerne (Frucht des Sapotillebaums)
  • Mais
  • Ohrenblume (xochinacaztli)
  • Vanille
  • mexikanischer oder schwarzer Pfeffer
  • Honig

Manchmal auch:

  • Achiote
  • Chilii
  • Piment
  • mexikanische Magnolie

Antonio Colmenero de Ledesma (Spanien 1644)

  • 100 Kakaobohnen
  • 2 Chilis (ersatzweise schwarzer Pfeffer)
  • eine Handvoll Anis
  • Ohrenblume und 2 Mecasuchiles (in Ermangelung dieser beiden Gewürze können auch zerriebene Alexandriarosen verwendet werden)
  • 1 Vanilleschote
  • 60 g Zimt

Jasminschokolade des Großherzogs von Toscana (Italien, 17. Jhd)

  • 4,5 kg geröstete Kakaobohnen
  • frische Jasminblüten
  • 3.6 kg weißer Zucker
  • 115-170 g "vollkommener" Zimt
  • 2,5 g Ambra
In einer Kiste oder einem ähnlichen Behälter abwechselnd Jasmin und
gerösteten Kakao übereinander schichten und 24 Stunden stehen lassen. Dann alles vermischen, noch mehr Schichten der Blüten und des Kakaos hinzufügen, worauf das gleiche Verfahren folgt. Dies muss zehn- oder zwölfmal wiederholt werden, damit der Kakao von dem Duft des Jasmins durchdrungen wird. Als nächstes nehme man die übrigen Zutaten und füge sie zu dem Kakao- und Jasmingemisch hinzu und mahle sie zusammen auf einem leicht erwärmten metate-Stein; wenn der metate zu heiß ist, könnte der Duft verlorengehen.

St. Disdiers (Frankreich 1692)

Die Beurteilung in Klammern stammt von ihm selbst

Rezept 1 (sehr gut):

  • 900 g Kakao
  • 680 g Rohrzucker
  • 20 g Vanillepulver
  • 14 g Zimtpulver

Rezept 2 (hervorragend):

  • 900 g Kakao
  • 570 g Zucker
  • 28 g Vanillepulver
  • 15 g Zimtpulver

Rezept 3 (starker Geschmack, für alle, die keine Angst vor Exzessen haben)

  • 900 g Kakao
  • 450 g feiner Zucker
  • 9 g Zimt
  • 7 g Nelkenpulver
  • 7 g Chili
  • 35 g Vanille