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Heiße Schokolade - Kultur eines  magischen Luxusgetränks

Teil 2 - Der Trank der Könige


 

Die Anfänge in Spanien

Edles Getränk in königlicher Aufmachung - alte Silberkannen für Trinkschokolade (2) ©

Wer genau die Kakaobohnen erstmals nach Europa brachte, ist nicht bekannt. Schriftlich überliefert ist, dass Dominikanermönche Prinz Philipp von Spanien erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts die gequirlte Schokolade vorführten. Es sollten aber noch rund 50 Jahre vergehen, bis sich das neue Getränk bei Hofe durchsetzte. Der Einfluss der Kirche auf die Geschichte des Kakao sollte jedoch noch länger erhalten bleiben. Vor allem die Jesuiten betrieben regen Handel und importierten den Kakao direkt aus der neuen Welt. Beide - Adel und Kirche - waren auch für die Weiterverbreitung der Schokolade in Europa verantwortlich: Die Klöster, die zu jener Zeit rege im Austausch standen und auch weitere mit Kakao handelten. Bei den Königshäusern spielten diplomatische Beziehungen und verwandtschaftliche Bande eine große Rolle und so war Kakao auch schon einmal Bestandteil der Mitgift.

Schokolade und die Kirche

Wie schon in seiner Heimat wurde die Schokolade zu jener Zeit nicht in der heute geläufigen festen Form, sondern ausschließlich als Getränk konsumiert. Dieser Umstand hatte für die weitere Verbreitung einen nicht unerheblichen Nebeneffekt: So wurde in Kirchenkreisen die Frage intensiv diskutiert, inwieweit Schokolade als Speise oder als Getränk zu betrachten sei. Dies spielte für die Entscheidung eine große Rolle, ob Schokolade in der Fastenzeit konsumiert werden durfte. Die Diskussion hierüber hielt durchaus eine Weile an: immerhin 8 Päpste beschäftigten sich mit der gewichtigen Frage und entschieden sie jedesmal zu Gunsten der Schokoladenliebhaber: Schokolade galt als Getränk und der Genuss stellte keine Bruch des Fastens dar. Somit stand der weiteren Verbreitung nichts mehr im Wege.

Der Zug durch Europa

Geröstete Kakaobohnen - Basis für alle Schokoladengetränke

In den Länder Europas setzte sich die Schokolade ganz unterschiedlich schnell durch. Dabei wurden oftmals auch die Rezepturen den eigenen Gewohnheiten angepasst. Statt Chili wurde zunächst der in Europa eher gebräuchliche Pfeffer verwendet. In Spanien verzichtete man jedoch schnell auf die Beigabe schärfender Gewürze und griff statt dessen nur zu milderen Aromen wie Zimt und Vanille. Die Spanier brachten die Schokolade nach Süditalien in ihre dortigen Gebiete. Dort zeigten sich die Italiener im Umgang mit dem neuen Getränk recht experimentierfreudig: neben Zitrusschalen wurden Amber und insbesondere auch Blütenaromen der Schokolade zugesetzt. Vom Großherzog der Toskana ist besipielsweise das Rezept einer Jasminschokolade überliefert, bei der die Kakaobohnen mit reichlich frischen Jasminblüten, Amber, Vanille und Zimt aromatisiert wurden.

Zu dieser Zeit - Mitte des 17. Jahrhunderts - tauchte die Schokolade an mehreren Stellen in Europa auf. Am französischen Königshof wurde sie spätestens nach der Hochzeit Ludwig XIV mit der spanischen Prinzessin Maria Teresa beliebt, die eine Leidenschaft für das bitter-süße Getränk hatte. In England bot das "Queen's Lane Coffee House" in Oxford erstmals 1656 ein "westindische Getränk namens Chocolate" an. Mit der Eroberung Jamaikas standen eigene Kakaoplantagen zur Verfügung. Der Handel mit der neuen Ware wurde nicht wie andernorts monopolisiert, sondern lief über Handelshäuser ab. Und auch der Genuss war nicht nur dem Adel vorbehalten. Dies sollte die englische Trinkkultur und auch die Schokoladenrezepte deutlich beeinflussen. Bald darauf entstanden überall im Land "Chocolate Houses", die nicht minder populär waren, wie Kaffeehäuser, obwohl Kaffee damals das deutlich preiswertere Getränk war. Hier war es auch, wo die Schokolade erstmals statt mit Wasser mit Milch zubereitet wurde. Eine Veränderung, die nachhaltige Wirkung auf die Geschmacksgewohnheiten der Briten hatte: bis heute bevorzugen sie süße Schokoladensorten mit hohem Milchanteil.

In Deutschland wurde die Schokolade anfangs nur als Medizin und Stärkungsmittel gehandelt und war ausschließlich in Apotheken erhältlich. Neben dem ohnehin schon hohen Preis sorgten reichlich Extrasteuern dafür, dass Schokolade lange ein Luxusgetränk blieb. Goethe und Friedrich der Große zählen zu den prominentesten Schokoladeliebhabern zu jener Zeit. Zu einem Boom der Schokolade in Deutschland kam es erst Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Steuern und Zölle für den Kakao gesenkt wurden.

Die "Erfindung" des Kakao

Kakao in Pulverform - Verdienst des Holländers van Houten

Ein Holländer war es, der mit seinen Erfindungen Mitte des 19. Jahrhunderts einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Schokolade setzte. Zwar gab es inzwischen an in mehreren Ländern Europas Schokoladen- Manufakturen, verwendet wurden aber traditionell die ganzen Bohnen. Die pastöse Masse liess sich aufgrund ihres hohen Fettgehaltes von über 50 % zu kaum mehr verarbeiten, als zur Darreichungsform als Trinkschokolade, deren Zubereitung aufgrund der schweren Löslichkeit zumal recht aufwändig war. Ein Abtrennen der Kakaobutter war bis dato nur durch aufwändiges Aufkochen möglich. Der Holländer van Houten meldete 1828 eine Maschine zum Patent an, die mittels einer hydraulischen Presse die Kakaobutter zu einem großen Teil abtrennte und so den Fettanteil der Schokoladenmasse halbierte. Kurze Zeit später entwickelte er ein Verfahren, Dutching Process genannt, das dem Kakao mithilfe von Alkalisalzen eine dunklere Farbe und einen milderen Geschmack verlieh. Entstanden war jenes - nun leichter lösliche - Pulver, das wir heute als "holländischen Kakao" kennen.

Die Schokolade als feste Ware ist übrigens gewissermaßen ein Abfallprodukt aus jener Erfindung: Durch das Abtrennen der Kakaobutter stand diese in großen Mengen zur Verfügung. Das erneute Mischen der Kakaomasse mit der Kakaobutter führte zu einer geschmeidigen Masse, die in Formen gegossen oder zum Überziehen von Konfekt oder Gebäck verwendet werden konnte. Und damit zu dem, was wir heute als Schokolade kennen. Für den Kakao / die Schokolade als Getränk sowie die Schokolade als Süßigkeit war hiermit das Tor zur Massenproduktion und damit auch in die Privathaushalte geöffnet.

Schokolade als Getränk hat sich seit dem auf ganz unterschiedliche Weise in verschiedenen Ländern etabliert, wie ein Blick auf die heutige, internationale Trinkkultur der Schokolade zeigt...

 


 

 

(2) © Silberkannen, mit freundlicher Genehmigung  Schokoladenmuseum Köln

Heiße Schokolade


Teil 1:
Theobroma - Trank der Götter /
Historische Rezepte

Teil 2:
Trank der Könige - Schokolade im alten Europa /
Schokolade und Gesundheit

Teil 3:
Internationale Trinkkultur / Glossar /
Moderne Rezepte

Teil 4:
Von der russischen Schokolade, die keine ist / Prominente Schokolade



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Schokolade und Gesundheit

Von Alters her wird Schokolade auch eine medizinische Wirkung nachgesagt. Nicht ganz unbegründet, wie heutige Untersuchungen beweisen. Hier eine Streifzug durch historische Überlieferungen und "medizinische Abhandlungen" zum Thema und der heutige Stand der Erkenntnisse

Historisches


Hernam Cortes (16. Jhd)

(aus einem Brief an Charles V von Spanien)
"Das göttliche Getränk stärkt die Widerstandskraft und bekämpft die Müdigkeit. Eine Tasse von diesem kostbaren Getränk erlaubt dem Manne einen ganzen Tag ohne Nahrung zu marschieren."

Francisco Hernández (1577)

sah in Schokolade ein Getränk zur Bekämpfung von Fieber und Lebererkrankungen, das ebenfalls bei der Behandlung der Ruhr zu empfehlen sei.

Antonio Colmenero de Ledesma (andalusischer Arzt, 1631)

aus "Curioso tratado de la naturaleza y calidad del chocolate"

"Schokolade ist gesund. Es macht den Trinker dick und beleibt, heiter und liebenswert. Es soll ein Aphrodisiakum sein. Bei Frauen verursacht es Fruchtbarkeit und erleichtert die Entbindung..." Darüber hinaus empfahl er Schokolade zur Förderung der Verdauung und bei Tuberkulose.

Henry Stubbe (englischer Gelehrter, 1662)

The Indian nectar, or, A discourse concerning chocolate

Neben dem täglichen Genuss von 1-2 Tassen bei anstrengender Tätigkeit empfahl Stubbe Schokolade als wirksames Mittel gegen das Antoniusfeuer (eine Pilzerkrankung die damals das Ausmaß einer Seuche hatte), mit Piment bei Erkrankungen des Menstruationszyklusses und mit Vanille zur Herzstärkung.

Modernes

Nach heutigem Kenntnisstand lagen die meisten Gelehrten damals in ihrer Einschätzung über die Wirkung der Schokolade gar nicht so falsch. Über einige Inhaltsstoffe gibt es inzwischen recht verlässliche Untersuchungen. Wenn diese häufig auch den Wirkstoff in Reinform betreffen und das Wechselspiel zu anderen Inhaltsstoffen oft außer acht lassen. Zudem sind noch nicht alle Inhaltsstoffe der Schokolade hinreichend erforscht. Hier ein Überblick über die modernen Aussagen zum Thema Schokolade und Gesundheit:

Theobromin

Die anregende, stimmungsaufhellende Wirkung der Schokolade verdankt sie im wesentlichen dem Theobromin. Dieses auch in Mate vorhandene Alkaloid wirkt ähnlich wie Koffein, allerdings ist es milder und länger anhaltend. In sehr hoher Dosis kann es Rauschzustände auslösen. Theobromin ist auch dafür verantwortlich, dass viele Tiere, darunter Hunde und Katzen, keine Schokolade essen sollen, da ihnen ein für den Abbau wichtiges Enzym fehlt.

Koffein

Auch Koffein ist ein - allerdings deutlich stärker anregendes Alkanoid, das zudem Blutdruck, Puls und Herztätigkeit steigert. In Schokolade ist es je nach Sorte in unterschiedlicher Menge enthalten, jedoch deutlich geringer als Theobromin.

Polyphenol

Polyphenole zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und damit zu den in vielen Pflanzen vorhandenen Substanzen, die für die Gesundheit einen hohen Stellenwert haben. Die in Schokolade enthaltenen Phenole wirken als Antioxidantien entzündungshemmend und krebsvorbeugend. Außerdem schützen sie die Zellen vor freien Radikalen.

Cholesterin

Ebenfalls einen positiven Effekt soll Schokolade in Hinblick auf Cholesterin haben. So senkt sie sowohl das Gesamt-Cholesterin als auch das (schlechte) LDL-Cholesterin. Im Gegenzug wird das (gute) HDL-Cholesterin erhöht.