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Biskuitteig - ein Backkurs

Tipps und Tricks für den richtigen Umgang mit Biskuitteig

Vom Schiffszwieback zur Tortenkunst

Biskuit – abgeleitet aus dem Lateinischen – heißt eigentlich „zwei Mal gebacken“ und meint damit ursprünglich den Zwieback. Im Lauf der Zeit wurden weitere Zutaten wie Eier, Nüsse und Zucker unter den Teig gemischt und im 18. Jahrhundert begann man damit, die Eier zu trennen, getrennt aufzuschlagen und erst hinterher zu mischen. Der Biskuit, wie er heute in der Konditorsprache verwendet wird, war erfunden: eine schaumige Teigmasse aus Eiern, Zucker und Mehl (und ggf. weiterer Zutaten), die für Torten und andere luftig leichte Backwerke verwendet wird. Biskuit gilt für viele als die schwierigste der Grundteigarten. Tatsächlich dürfte Biskuitteig (Konditor sprechen eigentlich von der Biskuitmasse) die empfindlichste Teigart sein. Wenn man jedoch weiß, auf was man zu achten hat, ist auch die Zubereitung von Biskuitteig kein Hexenwerk.

Biskuit - das Grundrezept

Zubereitung von Biskuitteig

Biskuit backen

Spezielle Biskuitarten

Das Grundrezept

Die Basiszutaten für einen Biskuitteig sind Eier, Mehl und Zucker und - für ein besseres Volumen - etwas Wasser. Da Ei die (unteilbare) Hauptzutat ist, werden beim Grundrezept die weiteren Zutaten pro Ei berechnet. Je nach benötigter Menge können die Anteile dann vervielfacht werden (siehe nebenstehender Kasten). 

Das Grundrezept:

  • 1 Ei
  • 30 g Mehl,
  • 25-30 g Zucker
  • ggf. eine kleine Prise Salz.
Je nach Verwendung können folgende Zutaten ergänzt werden:
  • 1 Prise Backpulver (eigentlich nicht erforderlich, der Teig erhält sein Volumen durch die Eier und Wasser)
  • 1 TL Vanillezucker (die Zuckermenge entsprechend reduzieren!)
  • 1 Msp. abgeriebene Zitronen- / Orangenschale
  • 1 EL heißes Wasser (erhöht das Volumen) oder aromatisierender Alkohol wie Rum, Arrak, Cointreau, etc.
  • 5-20g Butter (flüssig, zimmertemperatur)
  • 1 TL Kakao (zuzüglich 1 TL Wasser)

Das Mehl kann zum Teil (meist die Hälfte) durch Stärke, fein gemahlene Mandeln oder Nüsse ersetzt werden. Schlägt man zusätzlich ein Eigelb unter, wird der Teig gelber und feinporiger, allerdings auch trockener, mehr Eiweiß erhöht das Volumen.

Vervielfachen des Grundrezepts:
  • Biskuitrolle (Backblech):
    4 Eier = Grundrezept x 4
  • hoher Tortenboden (Springform):
    5 Eier = Grundrezept x 5
  • flacher Tortenboden (Springform):
    2 Eier = Grundrezept x 2

 

Die Zubereitung von Biskuitteig

Es gibt vier Methoden der Biskuitzubereitung, die sich vor allem in der Behandlung der Eier unterscheiden. Für alle Zubereitungsarten gilt: die trockenen Zutaten werden erst im letzten Schritt unter die Eimasse gezogen. Hierfür einen Spatel oder breiten Löffel verwenden und nicht kräftig rühren. In den Rezepte spricht man oft von „unterheben“ oder „unterziehen“. Gemeint ist, dass alle Zutaten so sanft wie möglich gemischt werden, ohne dass dabei die eingearbeitet Luft entweicht und die Masse zusammenfällt.

 

1. Variante: kalt aufgeschlagen

Die Eier werden getrennt. Die Eigelbe (ggf. mit Wasser) schaumig schlagen. Zwei Drittel des Zuckers und die Geschmack gebenden Zutaten zufügen und so lange schlagen, bis der Zucker sich restlos aufgelöst hat und eine dicklich-cremige, helle Masse entstanden ist. Das Eiweiß zu steifem Schnee schlagen. Sobald die Masse dicklich wird, den restlichen Zucker einrieseln lassen. Den Eischnee auf die Eigelbmasse setzen, die trockenen Zutaten mischen und zusammen mit dem Eischnee vorsichtig unterheben.
  • Eier getrennt kalt aufschlagen
  • Eiweiß nach und nach vorsichtig unterziehen

2. Variante: warm aufgeschlagen

Die Eier werden getrennt. Die Eigelbe im Wasserbad mit dem Zucker und den Geschmack gebenden Zutaten (Kakao wird mit dem Mehl untergemischt) cremig aufschlagen. Weiter wie bei der ersten Variante.
  • Eier getrennt
  • Eigelb im Wasserbad aufgeschlagen

3. Variante: Blitzbiskuit

Zunächst das Eiweiß mit dem Zucker und ggf. dem Wasser zu steifen Schnee schlagen. Die Eigelbe und Geschmack gebende Zutaten unterziehen und zum Schluss die gemischten trockenen Zutaten vorsichtig unterheben.
  • Eigelb unter Eischnee ziehen

4. Variante: Rührbiskuit

Diese Variante ähnelt in der Zubereitung eher einem Rührteig: Die Eier werden nicht getrennt, sondern im Ganzen – ggf. mit Wasser - schaumig aufgeschlagen. Dann den Zucker und die Geschmack gebenden Zutaten zugeben. Etwa 5 Minuten weiter schlagen, bis eine dicklich cremige Masse entstanden ist. Die gemischten, trockenen Zutaten unterziehen.
  • Eier ungetrennt zusammen aufschlagen
  • Anfängerfreundliche Variante

Backen

Biskuit muss sofort nach der Zubereitung gebacken werden, sonst fällt er zusammen. Gleiches passiert, wenn die Ofentür in den ersten Minuten geöffnet wird. Fertig ist der Biskuit, wenn die Oberfläche hell gefärbt ist und die Oberfläche auf leichten Druck nachgibt und sofort wieder in die ursprüngliche Form zurückgeht. Ist die Oberfläche noch feucht oder es bleibt eine Delle, ist der Biskuit noch nicht fertig, ist sie nicht elastisch, ist wurde er zu lange gebacken und ist trocken geworden. Er lässt sich dann nicht mehr aufrollen.

Rettung für zu dunklen Biskuit

Mit Saft beträufeln, füllen und zusammensetzen. Oder Zerkrümeln und mit etwas Butter mischen und so als Tortenboden verwenden.

Soll der Biskuit in einer Springform gebacken werden, die Form nicht fetten. Vielmehr wird ein Stück Backpapier in Größe der Form zurechtgeschnitten und die Form damit ausgelegt. Nach dem Backen mit einem Messer den Biskuit vom Rand lösen, diesen entfernen und den Biskuit auf ein Gitter stürzen. Mit dem Papier auskühlen lassen und dieses erst im erkalteten Zustand abziehen. So wird die Oberfläche schön gerade und bleibt elastisch.

Soll der Teig nach dem Backen in verschieden Tortenböden geschnitten werden, muss er unbedingt vorher gut auskühlen. Mit dem Messer in entsprechender Höhe den Rand etwa 1 cm tief einritzen. Einen festen Zwirnfaden in den Schnitt legen und den Zwirn über Kreuz zügig, aber vorsichtig zusammenziehen. Alternativ kann auch mit dem Messer geschnitten werden, dann jedoch darauf achten, dass die Klinge parallel gehalten wird. Die Böden mit Hilfe eines Springformbodens abheben.

  • in der Springform (Torte)
Für Biskuitrollen wird die Teigplatte nach dem Backen auf ein mit Zucker ausgestreutes Tuch gestürzt. Der Zucker verhindert, dass der Teig am Tuch kleben bleibt. Auch hier das Papier erst nach dem Auskühlen abziehen. Sollte der Teig ein wenig lange gebacken worden sein, kann man ihn manchmal dadurch retten, dass man ihn unter dem Blech auskühlen lässt. Die Kondensfeuchte geht so in den Teig und gibt ihm ein wenig Elastizität zurück.
Nachdem die Füllung aufgestrichen wurde, kann der Biskuit mit Hilfe des Tuchs aufgerollt werden.
  • auf dem Blech (Biskuitrolle)

Spezielle Biskuitarten

Je nach Mischungsverhältnis und Verwendung weiterer Zutaten werden folgende besondere Biskuitmassen unterschieden (Die Mengenangaben beziehen sich analog zum Grundrezept auf ein Ei):


  • Wiener Masse (auch Genueser Masse oder Génoise)
    Eine besonders feine und saftige Variante des Biskuits, die vor allem für Torten Verwendung findet. Der Teig enthält bis zu 20 g Butter, die flüssig aber abgekühlt zum Schluss mit unter die Zutaten gezogen wird.


  • Schokoladenbiskuit
    Mit Kakao oder Schokolade. In die Masse kommen 1 TL Kakao und 1 TL Wasser oder bis zu 1 EL fein geriebenen Schokolade, die unter die trockenen Zutaten gemischt und untergezogen werden.


  • Sandmasse
    Dieser Biskuit ist pulvrig trocken und sehr fein. Er enthält bis zu 15 g Butter. Das Mehl wird bis zu 2/3 der Menge durch Stärke ersetzt.


  • Savoyer Biskuit
    Der Savoyer Biskuit enthält besonders viel Ei. Auf ein Ei kommen lediglich 10 g Mehl und 10 g Stärke.


  • Zitronenbiskuit / Orangenbiskuit
    1 TL abgeriebene Zitronen- / oder Orangenschale und das Wasser durch Zitronen- bzw. Orangensaft ersetzen


  • Mandelbiskuit / Nussbiskuit
    Das Mehl durch fein gemahlene Nüsse (Haselnüsse, Walnüsse, Pinienkerne, etc.) oder Mandeln ersetzen. Dies kann bis zu 100 % sein, meist wird jedoch nur die Hälfte ersetzt bzw. eine Mischung aus 50 % Nüssen und 50 % Stärke verwendet.


  • Nuss-Nougat-Biskuit
    Statt Mehl je zur Hälfte gemahlene Nüsse und Stärke verwenden. Zum Schluss 10 g Butter und 10 g Nougat (gemeinsam geschmolzen) unter die Masse ziehen.


  • Biskuitguss
    Obstkuchen kann man nach dem Abbacken mit einem Biskuitguss überziehen. Hierzu (für eine Spingform) 3 Eier, 3 EL Zucker und 2 EL Stärke nehmen. Je nach Verwendung mit Vanillezucker (den Zucker entsprechend reduzieren) 1 EL Rum, Arrak, etc. oder Zitrusschale aromatisieren. Wie in Variante 1 zubereiten und auf der Oberfläche des fertig gebackenen Kuchens glatt streichen. Bei 190 Grad 20 Minuten überbacken.

 

Rezepte mit Biskuitteig...