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Chili, Teufelsdreck und Safran

Wenn man nach dem Besuch eines Museums „Appetit auf mehr“ bekommt, dann ist das sehr wahrscheinlch im übertragenen Sinne gemeint. Es sei denn, der Besucher kommt gerade aus dem Landesmuseum Oldenburg, wo noch bis zum 30.12. die Ausstellung Chili, Teufelsdreck und Safran gezeigt wird. Nach einer Reise durch die 6 Gewürzregionen dieser Welt, die den Rahmen für das Ausstellungskonzept liefern, hat man sicherlich Appetit bekommen: Appetit, sich noch intensiver mit dem spannenden Thema Gewürze aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Disziplinen zu beschäftigen; aber auch Appetit darauf, diese Gewürze - möglichst in authentischer Form - in Begleitung schmackhafter Speisen wahrhaftig zu „verinnerlichen“.

Es macht Spaß, in diese faszinierende Welt einzutauchen, die dort im hohen Norden von Jonas Fansa und Gernot Katzer unter der Leitung von Prof. Dr. Mamoun Fansa entstanden ist. Da ist nicht nur der optische Genuss der Präsentation – kein Wunder, dass das Museum erst kürzlich einen Preis für innovative Gestaltung bekommen hat. Es ist die Mischung unterschiedlicher Komponenten zu einem harmonischen Ganzen, die wie bei vielen Rezepten erst den Erfolg ausmacht: Der Besucher erhält Einblick über die Bedeutung von Gewürzen im historischen Kontext, erfährt Wissenswertes über ihre Botanik und warum – rein chemisch betrachtet – die Gewürzpflanzen überhaupt so riechen und schmecken und bei uns mit ihrem Aroma einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Safranblüte Da wo Historiker, Ethnologe, (Paläo-)Botaniker und Chemiker an einem Tisch sitzen und die Kulinarik als Gast eingeladen haben, wird selbst der vermeintlich harmlose und alltägliche Pfeffer zu einem faszinierenden „Untersuchungsobjekt.“  Ganz gleich ob Kreuzkümmel, Teufelsdreck, Bockshornklee oder Safran: Welche kulinarischen Traditionen sind es, die sich in bestimmten Regionen dieser Welt durchgesetzt haben? In welchem Kontext (in puncto Zubereitungsart und verfügbarer Rohstoffe) wurden sie geprägt? Welche Gewürze haben schon früh ihre Reise um den Globus angetreten? Und welche sind eher regional begrenzt von Bedeutung oder gar ausgestorben.Diese Fragen und noch viele mehr werden in Oldenburg auf sehr ansprechende Art beantwortet: Auf über 200 Schautafeln und -kästen, mit denen die bei uns mehr oder weniger bekannten Gewürze präsentiert werden. Eine Ausstellung für die Sinne: Denn es gibt Gewürze zum Anfassen und Schnuppern - was nicht nur bei dem Kilo Safran, das leuchtend rot die Besucher anzieht - ein sinnliches Erlebnis ist. Liebevoll zusammen getragene Ausstellungsstücke wie alte Muskatreiben, beeindruckende Gewürzschalen und -dosen oder der historische Pfefferstreuer werden ergänzt durch die Präsentation seltener Gewürzarten oder ein reich illustriertes Kräuterbuch aus dem 16. Jahrhundert, und runden das Ausstellungskonzept ab.

Für all diejenigen, die Appetit auf mehr bekommen haben, bieten der wissenschaftliche Begleitband und das parallel zu Ausstellung erschienene Gewürzbuch „Picantissimo“ Stoff für manch vertiefende und vergnügliche Lesestunde. Vor allem Letzteres ist es, das mit seinen zahlreichen Hinweisen zur Kulinarik auch über das vielleicht einzige Manko der Ausstellung hinweg tröstet: der profane, „leibhaftige“ Appetit lässt sich leider nicht stillen. Jedoch kann man sich vor Ort mit Gewürzen versorgen, um sie am heimischen Herd zu verarbeiten.

 

Wer es nicht mehr rechtzeitig bis Oldenburg schafft: Die Ausstellung wandert auf mehreren Stationen durch Deutschland und ist ab 22.02.2008 in verkleinerter Form in Berlin in der Landesbibliothek zu sehen.

 

Chili, Teufelsdreck und Safran
Landesmuseum Oldenburg
Ausstellungsende: 30.12.2008
(Fotos 4 und 5 freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesmuseum Oldenburg)